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Es ist Bundesliga ... oder abmelden !!

2008-11-23
von Glocker Patrick - Email:mail@handspiel.de

Als Anfang 2006 auf der Generalversammlung des DTFB beschlossen wurde, die Bundesliga in Zukunft nur noch an ITSF Tischen zu spielen, war die Empörung im Saarland, verständlicher Weise, Riesen groß. Den Tisch des größten Deutschen Verbandes vor die Tür zu setzen, war schon fast als skandalös anzusehen. Die folgenden Wochen danach nahmen im Tischfussball ein nie gekannte Wandlung ihren Lauf. Tischfussball war als Promotion Idee gefragt. Diese kurzfristige Phase war einzig und allein der Fussball Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu verdanken. Tischfussball auf Messen, Tischfussball in den Medien, ein Tischfussballturnier beim Tag der offenen Tür oder Tischfussball im Kaufhaus.
Auch das Saarland bekam ein Stück von diesem Kuchen ab und hatte die Möglichkeit, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Aber welchen Tisch holt man da mit? Die Tische aus dem Ort und den umliegenden Vereinen sind jetzt nicht gerade in der Verfassung, sie bei Mercedes Benz in die Verkaufsräume aufstellen zu können. Die Lösung war einfach und Nah. Es gibt ja Garlando-, Tornado- und Bonzinitische im Umfeld. Die werden ihren Dienst an diesen Tagen tun und die Auftraggeber kennen den Unterschied zwischen Saarland- und Internationalen Tischen sowieso nicht.
Die Lösung ging voll auf und auf den Veranstaltung konnte Stellen weise nachhaltig Werbung für den Tischfussball-Sport betrieben werden. Allerdings keimte auch Gebietsweise Verständnis für die Entscheidung der DTFB-Generalversammlung auf.
Im Mai 2006 fand das größte Medienereignis im Tischfussball aller Zeiten statt. Die Tischfussball Weltmeisterschaft in Hamburg an der 20 Nationen aus 5 Kontinenten teil nahmen. Sicher gab es unter denen, die dieses Ereignis, egal in welcher Funktion, erlebten, Visionäre, die sich ein solches Turnier im Ansatz auch im Saarland erträumten. Aber schnell zerplatze diese Blase, wenn der Handsberg, in der jetzigen Form, in dieser Blase zum Vorschein trat.
So, oder so ähnlich, könnte bei gewissen saarländischen Funktionären, das Verständnis für einen professionellen Tisch auf der Bundesliga gewachsen sein.
Und so kam es, dass bei einer erneuten, außerordentlichen Krisen-Generalversammlung des DTFB , aus den Reihen des STFV der Vorschlag kam, sich auf einen gemeinsamen Tisch zum Spielbetrieb auf der Bundesliga zu einigen. Und die Wahl fiel auf den von Peter Müller für die Firma Lehmacher entwickelten Tec-Ball.
Ohne Zweifel ist diese Konstruktion ein Meisterwerk mit kleinen Mängel. Auch aus den Reihen der Saarländer kam enorme Euphorie auf. Was damals niemand erkennen wollte oder konnte. Dieser Tisch ist und war einfach nur ein besser konstruierter Soccer. Spätestens nachdem ein Saarländer nem unterdurchschnittlichen Soccerspieler über den Weg gelaufen war, wurde dies auch klar.
Und so kamen die STFV-Delegierten ins Saarland zurück und kündigten die Soccerliga an. Auch die Resonanz der Vereine versprach einen guten Start. Es wurden Tec-Ball Tische zu einem guten Preis gekauft, die Liga gegründet, die dann parallel zur Handsberg-Liga, Freitags gespielt werden sollte. Entscheidungen werden getroffen und manchmal liegt man dabei halt falsch. Dies gehört zum Geschäft, wenn man Entscheidungen treffen muß. Soccerliga parallel zu spielen, war wegen der Anspannung des Ligabetriebs nicht umzusetzen. Es mußte also eine neue Lösung her. Für 2007 wich man auf Soccerspieltage aus, an denen sich ein Teil der Mannschaften trafen, und ihre Spiele absolvierten. Eine gute Lösung, die viel Spaß machte und auch ordentlich Spielpraxis beinhaltete.
Bis in den September 2007 passierte im Bezug auf Soccerliga jedoch gar nichts mehr, ehe der TFC Bliesen einen ersten Spieltag plante und organisierte. Heusweiler zog mit einem weiteren Spieltag nach, mit dem die Soccerliga für 2007 dann auch beendet, nicht allerdings abgeschlossen,war. Die Hoffnung lag nun auf 2008. Spätestens hier müßte der STFV handeln, um mit seinen Bundesliga Vertretern national konkurrenzfähig zu bleiben. 2008 lies es sich auch gut an. Der TFC Bliesen richtete die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga, und die Saarlandmeisterschaft aus. Es war wieder so ein Wochenende, bei dem vor allem jeder Saarländer an Spielpraxis gewinnen konnte. Die Würfel fielen, die Bundesligastarter wurden ermittelt und leider war das Kapitel Soccer dann auch erst mal befriedigt. Man hörte nichts mehr von Soccerliga, Bundesliga oder irgendwelchen weitere Konzepten und Plänen was das nationale Tischfussball an geht.
Erst auf dem ersten Bundesligaspieltag im März 2008 schaffte man es, dass der STFV-Vorstand sich mit den Bundesligateams an einen Tisch setzen konnte. Leider ging es um, absolut berechtigte, Satzungstechniche Dinge, nicht um sportliche Planungen. Hier habe ich noch bevor der erste Ball gespielt wurde, mein Bedauern über die schlechte Vorbereitung der Bundesliga-Teams geäußert. Auch hier, wie auch in vielen anderen Einträgen im Gästebuch und im Forum, wurde nur meinen Bermerkungen geringen Stellenwert zugeordnet. Richtig schade wird es allerdings dann, wenn nicht mal Fakten überzeugen können.
Wir können ohne schlechtes Gewissen dem Saarland eine mangelhafte, bis ungenügende Vorbereitung auf die Bundesliga unterstellen. Umso neugieriger hätte es mich gemacht, wie die ersten beiden Spiele der SG Theley/Marpingen geendet wären, wenn man zu mindest 2007 und Anfang 2008 eine ordentliche Soccerliga gespielt hätte. Diese Spiele gingen nämlich 15:17 und 14:18 verloren.
Am Ende dieses Spieltags war dies die Erkenntnis des Wochenendes und ich war felsenfest davon überzeugt, dass jetzt Initiative ergriffen wird. Aber ... Null Over ... Als Aussenstehender bekam man fast überhaupt nichts mit. Es wurde nichts Veröffentlich, keine Informationen, fast keine Stellungnahmen und keine Initiative. Hinter dem Vorhang wurde bekannt, dass sich Holger Mersdorf, Claus Cornelius und Toni Coppola um ein Konzept für die Soccerliga bemühten, dass dann auch in einer Sitzung in Theley, Mitte April 2008 , vorgestellt wurde.
Die Soccerliga lief somit im August ganz passabel an. Der Sport und die Spielpraxis hatte in allen Belangen Vorrang. Doch mit Beginn der Rückrunde der Handsberg-Liga war der Zauber auch fast schon wieder vorbei. Mannschaften wie Bliesen, Ottweiler, TheMa/Heusweiler und Burbach kämpfen um Meisterschaft, Pokal und Aufstieg. Die Soccerliga wird verständlicher Weise, als Liga ohne Stellenwert, in die Ecke gestellt.
Im September und Oktober stehen 1. und 2. Bundesliga an. Die Spielpraxis aus dem August ist verpufft und die beiden Wochenenden werden zum sportlichen Debakel. Spätestens jetzt, ist der STFV, die Generalversammlung und alle Mitglieder die sich für den STFV verantwortlich fühlen, gefordert zu handeln, wenn er sich nicht National lächerlich machen will.
Lächerlich? Wieso lächerlich? Ganz einfach. Ganz Deutschland kennt die Historie des STFV. Größter Verband, viele Mitglieder und und und. In der Bundesliga mit 3 Mannschaften auf Abstiegsplätzen. Dann die Entscheidung, die Bundesliga auf 24 Mannschaften aufzustocken was dem STFV dem Massenabstieg ersparte und ein weiteres Jahr Vorbereitungszeit verschaffte. Sollten die 4 Saarländer im nächsten Jahr wieder alle Abstiegsplätze belegen, werden wir nur noch belächelt werden. Regional mag dann vielleicht alles in bester Ordnung sein, aber National wird ein Verband mit hohem Ansehen und Vorbildcharakter zum bedauernswerten Kandidaten verkommen gelassen.
Der Vorstand des STFV und alle Mitglieder müssen sich jetzt, und nicht nächstes Jahr oder sonst wann, ganz klar zu einer von zwei Richtung bekennen. Für nationalen Tischfussball oder gegen nationalen Tischfussball. Für die Trennung zwischen Spitzensport und Breitensport, oder dagegen.
Wenn der STFV sich dagegen entscheidet gibt es als einzige Konzequenz den Austritt aus dem DTFB. Alles andere ist Perle vor die Säue geworfen.
Entscheidet man sich für nationalen Tischfussball ist auch ein Konzept und ein klares öffentliches Bekenntnis dazu dringend notwendig. Soccer muß eine höhere Wertigkeit bekommen und es muß mehr passieren, als auf die Initiative von Holger Mersdorf zu verlassen. Es müssen jetzt Weichen für 2009 gestellt werden. Jedes Mitglied des STFV trägt auch die Verantwortung über den Nationalen Ruf des STFV. Diese Verantwortung kann man nicht einfach dem 1.Vorsitzenden überlassen. Als Vorstandsmitglied eines Verbandes, bei dem 1800 Spieler aktiv sind, reicht es nicht aus, sein Aufgabengebiet auf das Sammeln von Spielberichten zu beschränken. Wer dieses Vorgehen mit dem Argument vertritt, dass sich 95% der Mitglieder nicht für den nationalen Wettkampf interessiert, der hat die Wertigkeit seiner Verantwortung unterschätzt. Jedes Vorstandsmitglied ist für den Ruf und das Auftreten des Tischfussball und des STFV auf Bundesebene und in der Öffentlichkeit verantwortlich. Wer hier die Einstellung hat, alles Dieter Peuser zu überlassen ist definitiv fehl am Platz.
Der STFV ist zum handeln gefordert. Bis zur Bundesliga 2009 sind es noch knapp 4 Monate, und wer dort mit halten will, sollte jetzt mit der Vorbereitung beginnen. Eine solche Vorbereitung beinhaltet einen geregelten Ligabetrieb, Turniere und Training.
Bei der Soccerliga wurden jetzt alle Varianten, mehr oder weniger halbherzig, ausprobiert, um einen parallelen Betrieb möglich zu machen. Diese Varianten kann man mit gutem Gewissen als gescheitert erklären. Es muß also ein Mittelweg her. Ein Weg der einerseits jedem Gerecht wird und Nachhaltig für nationale Konkurrenzfähigkeit sorgt.
Die Situation in den Vereinen, in denen noch Interesse an der Bundesliga haben, ist die, dass ein teil pro Soccer und ein Teil contra soccer ist. Ein Vorschlag von mir aus der Vergangenheit eine reine Soccerklasse zu installieren,würde sicher in diesen Verein zu großen Problemen führen.
Also bleibt auch nur eine Lösung. Immer mit dem Hintergrund die Bundesliga und den Spitzensport nicht ganz abzuschreiben zu wollen, muss die Landesliga Freitags an 2 Tischen gespielt werden. Beispielsweise 3 Doppel Handsberg, 3 Doppel Soccer. Evtl ist auch die Überlegung Einzel zu spielen ganz vorteilhaft. Wird in der Bundesliga ja auch gespielt. 6 Spieler müßten in einer Landesligamannschaft gefunden werden, die Soccer spielen können und wollen. Vielleicht erscheint dem ein oder anderen dieser Vorschlag mal wieder zu visionär. Aber mal sollte nie den Gedanken an das Nationale Geschäft verlieren. Wenn wir so weiter machen, kommt der Karren aus dem Dreck nicht mehr heraus. Sollte natürlich die große Gemeinschaft der Meinung sein, ein Verband mit 1800 aktiven Spielern muss sich nicht an der Nationalen Entwicklung beteiligen, dann können wir es auch dabei belassen und ... abmelden
Sollte man sich jedoch zu einer gewissen Reform durchringen, müssen noch weitere Schritte eingeleitet werden. Es müssen Turniere angeboten werden. Diese fehlen ja auch der Handsberg-Gesellschaft. Ich bin der Meinung, dass jeder Verein, der dem STFV angeschlossen ist, ein Turnier im Jahr veranstalten muss. Ob Soccer oder Handsberg und in welcher Größenordnung sei jetzt mal dahin gestellt. Der STFV muss seine Mitglieder von der Handlungsnotwendigkeit überzeugen da das Saarland national, und Gebietsweise auch regional, in einer sportlichen Krise ist. Und sowas ist nur zu stemmen, wenn alle mitarbeiten. Es ist nicht von einem Verein nicht zu viel verlangt, ein Tischfussballturnier zu veranstalten. Es ist auch nicht zu viel verlangt, wenn die Bundesligateams ein Soccerturnier im Jahr veranstalten. Als Bundesligaausrichter haben sich diese Verein zum größten Teil eine goldene Nase verdient. Jetzt ist es mal Zeit, in einer kritischen Situation was zurück zu geben.
Treibende Kraft muss aber der STFV sein. Von ihm muß die Initiative ausgehen. Und es zählt jede Woche, denn seit der Aufstockung der Bundesliga ist schon wieder über ein halbes Jahr vergangen. ... oder ganz abmelden!



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