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TFC Heusweiler – Braddock Burbach – So entstehen Klassiker.

2009-08-26
von Glocker Patrick - Email:mail@handspiel.de

Es gibt sicher noch den ein oder anderen, der sich an das Pokalfinale 1995 erinnern kann, als die Partie TFC Gut Stubb Neunkirchen – TFC Braddock Burbach 2 Mal wiederholt werden musste und es so zu 3 Finals gekommen war. Im Finale 2 und 3 wurden vom STFV Tribünen um den Tisch aufgebaut und als Akteur hatte die damit verwandelte Location ein Hauch von Kampfarena. In solchen Spielen entstehen kleine Helden und großartige Anekdoten. Zum einen als Horst Lang im 2.Finale beim Stand von 12:10 und 4:2 die Lederjacke öffnete und ein T-Shirt zum Vorschein kam auf dem die Gut Stubb schon als Pokalsieger verewigt war. Nach dem 4:6 und dem 12:12 als Endergebnis musste er den Reißverschluss aber wieder ganz schnell nach oben ziehen und bis zum 3.Spiel warten. Legendär auch die Sprüche von Günther Welter, der damals im 3.Spiel die Locken von Klaus Bock kürzen wollte, der ihm aber im Verlaufe des Spiel unmissverständlich verbal und am Brett klar machte, dass so scharfe Scheren erst noch zu schleifen sind, die seine Locken schneiden könnten. Die Gut Stubb gewann damals nach 3 Spielen den Pokal und der STFV einen der größten Klassiker aller Zeiten.

Solche Geschichten bleiben als Hightlights unseres Sports haften. Ein solches Hightlight waren sicher die 3 Begegnungen zwischen dem TFC Heusweiler und dem TFC Braddock Burbach. Auch wenn beide Teams noch mit leeren Händen da stehen, so war dieser Kracher gespickt mit großem Sport, fairen Gesten, geilem Nervenkitzel und auch dem ein oder anderen Wehrmutstropfen.

Jeder der diese Partien verpasst hat, ist um ein Erlebnis ärmer. Das war Werbung für unseren Sport. Tischfussball wie es sein soll. Vorbilder für den ganzen Verband mit großen Emotionen. Denken wir an die riesige Spielertraube im Checkpoint der Heusweiler Spieler, die sich fast erdrückt hätten, oder den Siegesgesang der Burbacher, der Nachts um 0:20 durch die Strassen Heusweilers schallte

So spielen sich dann auch Spieler in den Focus, die keiner auf der Rechnung hatte. Auf der einen Seite die Thull-Brüder und Heribert Feld. Auf der anderen Seite Patrick Syre und Peter Wagner. Diese Newcomer oder Comebacker haben für ihr Team große Leistungen vollbracht und stehen sicher auf den Zetteln der Spielführer viel weiter oben, als noch vor 6 Wochen.

Solche Spiele setzen aber auch noch weitere Kräfte frei. Zum Beispiel ist man viel eher gewillt seinen Urlaub zu verschieben, verkürzen oder zu unterbrechen. Manch einer legt Sonderschichten im Training ein, fährt schon Tage vorher in des Gegners Lokal, um am Tisch Spielpraxis zu erhalten und man kann sich 100% sicher sein, dass ein hoch motivierter Gegner auf der anderen Seite zum Empfang steht.

Alles in allem ist es nicht übertrieben, wenn man davon spricht, dass in beiden Lagern ein Fieber ausgebrochen ist. Ein Fieber, von dem es beim STFV viel zu wenig gibt. Und daran ist das Spielsystem schuld.

Wie ist denn der IST-Zustand. Am Anfang der Saison sind viele Teams heiß. Man redet von Meisterschaft, guten Platzierungen, Pokalüberraschung und Klassenerhalt. Doch nach 3-4 Wochen ist die erste Euphorie vorbei. Die Teams werden Woche für Woche unvollständiger und als Meisterschaftsanwärter kommt es oft genug vor, dass man in der Rückrunde auf dezimierte, vom Abstieg bedrohte, Teams trifft, die ihre Kräfte auf die wichtigen Spiele gegen direkte Gegner bündeln. In Burbach ist schon lange kein Team aus dem unteren Drittel komplett angetreten. Man kann aber auch keinem Verein oder Spielführer einen Vorwurf machen, wenn seine Spieler nicht 100% mit ziehen. Und deshalb könnte man ruhig Alternativen zur Überlegung stellen.

Eine Alternative wäre eine Play-Off Runde im Stile der Bundesliga mit 16 Teams, die viele Vorteile und sportliche Gerechtigkeit mit sich bringen würde.
Vorteile wären:
Lang anhaltende oder wieder Aufflammende Euphorie über das ganze Jahr bei allen Teams – Tischfussball gewinnt gegenüber anderen Hobbies an Boden
Viele Spiele mit Pokalspielcharakter
Meisterschaft wird in direkten Duellen entschieden und wird nicht durch unvollständige Teams zum Lotteriespiel.
Abstiegskampf wird in direkten Duellen entschieden und wird nicht durch geschenkte Punkte zum Weihnachtsfest.
Spiele in der Platzierungsrunde erhalten zwar Freundschaftsspielcharakter, die gibt es aber bei Mannschaften aus dem Tabellen-Mittelfeld zur Zeit auch
Es enstehen Klassiker.


Was sportliche Begeisterung, Wettkampf und Leistung an geht, hat der STFV in den letzten 10 Jahren Rückschritte gemacht. Es liegt an uns, dem STFV und seinen Mitgliedern den Ehrgeiz aus jedem einzelnen heraus zu kitzeln. Zu welchem Aufwand und zu welcher Leistung auch Spieler im fortgeschrittenen Alter in der Lage sind zu zeigen, hat die Heusweiler-Burbach-Triologie gezeigt, die hoffentlich in diesem Jahr noch eine interessante Fortsetzung hat. Jahr für Jahr die gleiche Leiher runter zu spielen, nur weil es am einfachsten und bequemsten ist, haucht das letzte Leben noch aus.

Es liegt an uns, dem STFV und seinen Mitgliedern große Turniere zu veranstalten, interessante Ligen zu formen und so über die entfachte Euphorie zu attraktiven Wettkämpfen zu kommen. Nur hab ich keine Idee wer sonst hierzu die Weichen stellen soll, als die von den Mitgliedern gewählten Verbandsvertreter. Man könnte Workshops ins Leben rufen, die Ideen zu jeweiligen Problematiken sammeln und zusammen tragen. Es muß doch nicht alles an dem Ideenreichtum 13 Personen, zum Teil im festgefahrenen Alter, fest gemacht werden. Bei 2000 Spielern sollte man versuchen viel mehr Leute ins Kreativ-Boot mit ein zu beziehen, als die 10-13 Klassenleiter. Mit der Aufteilung der Kompetenzen wächst auch das Engagement. Aber zu aller erst warten die Mitglieder des STFV immer noch auf ein Lebenszeichen.



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