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Spitzenspieler gesucht

2010-04-21
von Glocker Patrick - Email:mail@handspiel.de

Die Eindrücke des WCS in Koblenz sind immer noch frisch, zu mindest bei den Menschen die dort waren und die Veranstalter, Teilnehmer und Zuschauer ziehen ihre, sowohl logistische als auch persönliche Bilanzen. Aus saarländischer Sicht eine Trauerbilanz. Bei ca 5000 registrieren Spielern in Deutschland stellt der STFV bei dieser Statistik 40% der Spieler, nämlich ca 2000. Davon waren genau 5 Spieler am Start. 5 Spieler aus einem Verband der 2/5 des Deutschen Verbandes stellt, besuchen eines der 5 größten Turniere der Welt, das dann noch nicht mal 200km vom Saarland entfernt ist.

Ganz kluge Kompetenzen werden jetzt als Ausrede parat halten, dass man dort ja nicht an unserem Tisch spielt. Die Wahrheit ist, dass die Einstellung in den diversen Verbänden anders gelebt und kommuniziert wird. In Koblenz waren Spieler und Spielerinnen aus Moskau, Litauen, Bulgarien, Österreich, USA, Portugal, Spanien und noch viele weitere am Start, die alle an teils abenteuerlichsten Tischen spielen und da hat keiner vom falschen Tisch geredet. Das beste Beispiel ist allerdings Frankreich. Eine Nation, die an einem Hansberg ähnlichen Tisch spielt, und auch die Spielweise mit der im Saarland vergleichbar ist. Hier waren Spieler am Werk, die den TecBall auch erst vor 2 Jahren kennen lernten, und sich nun der Konkurrenz in der Welt stellen. Dabei sind nicht alle Blutjung. Ein Herve Dos Santos ist Anfang 40 Jahre alt, und spielte in Koblenz mit seinem Sohn. Die beiden haben beispielsweise Johannes Wahle und Hubert Weyer im offenen Doppel geschlagen und haben nicht von einem Dreckstisch geredet. Dabei hatten die Franzosen einen entscheidenden Vorteil den ein Saarländer nicht hätte. Der Verband in Frankreich hat schon frühzeitig, trotz großem Widerspruch, die bösen ITSF-Regel eingeführt. Somit wurde in Frankreich auch die Gewichtung und Bedeutung der Mittelreihe klar und zu mindest dort, ist man nun weltweit konkurrenzfähig und das scheinbar an jedem Tisch

Woran liegt es also, dass im Saarland das Feuer aus ist? Der Hauptgrund ist ganz einfach, dass die Ranglisten-Turnier Serie, die Ende der 80er im Saarland einen riesen Boom auslöste, in den letzten 10 Jahren komplett verkommen gelassen wurde. Der Turnierbetrieb ist tot, die Turniermentalität verschwunden und dadurch geht der Spirit, den man auf einem solchen Turnier erlebt, gelebt und gelernt hat verloren. Da es allerdings keine großen Turniere mehr gibt, suchen sich Tischfussballer im Saarland an Wochenenden andere Beschäftigungen. Man geht auf den Fussballplatz oder besucht die Oma. Richtigen Wettkampf gibt es nur noch am Freitag Abend und der geht genau über 2 Sätze. Die Woche über schauen wir uns die Rangliste an, sind individuelle mit der Platzierung zufrieden und meinen wunderst was wir geleistet haben. In Wirklichkeit gibt es im Saarland Spieler, die in diversen Tabellen und Ranglisten an der Spitze stehen, aber keine Spitzenspieler sind, die den Vergleich mit anderen Spitzenspielern suchen und den STFV nach außen vertreten.

Anderseits haben wir auch keinen Verband, der eine solche natürliche sportliche Haltung fordert und fördert. Der Verband, der Vorstand und seine Mitglieder verwalten Asche, anstatt Feuer zu schüren. Der STFV besitzt keine Spitzenspieler mehr. Und dem Nachwuchs, der diese Rolle irgendwann einnehmen müßte, fehlen die Vorbilder, der Reiz und die Statussymbole. Vorbilder fand man früher auf Turniere. Reiz und Status machten die Turniere. Natürlich könnte ein guter Ligaspieler auch Reiz und Status schaffen. Nur die bekommt ein Nachwuchsspieler ja nicht zu sehen, weil alle Ligaspiele parallel laufen. Status und Reiz könnte auch eine Saarlandauswahl schaffen. Aber auch diese Auswahlspieler kriechen höchsten mal vorm Länderpokal aus den Löschern und könnten ja auch nur dann die Attribute setzen, wenn eine solchen Veranstaltung angemessen kommuniziert und auch besucht wird.

Die Landesliga verliert mehr und mehr an Niveau, ist total überaltert und es fehlen junge Spieler, die in diese Klasse vor dringen, um den Alten den Kampf anzusagen. Als Braddock Burbach 1990 in die Landesliga aufstieg, waren mit Mehmet Kosar,Karsten Schmitz, Stephan Schmidt, Patrick Glocker, Frank Forster, Frank German, Klein Ralf und David Saar 8 Spieler unter 20 Jahre alt. Und die Leader Klaus Gottesleben, Patrick Bibian, Frank Grün und Stefan Trampert waren unter 30 Jahre alt. Damals gab es fast jede Woche irgendwo ein großes oder kleines Turnier, das Feuer brannte und die Konkurrenten trieben sich gegenseitig zu Höchstleistungen. Als junger Spieler sah man Woche für Woche die Stars und der Ehrgeiz trieb einen immer weiter voran. Stars gibt es keine mehr, und sollte jemand doch das Zeug dazu haben, tritt er auf keine Plattform.

Das die Turniere seit 10 Jahren rückläufig waren, war auch dem STFV bekannt. Die Gründe dafür waren auch schnell analysiert. Lange Wartezeiten, miserable Tische, schlecht Bälle. Die Teilnehmerzahlen waren stetig von Jahr zu Jahr rückläufig und Verbesserungsvorschläge, über die man sich lange Gedanken gemacht hat, oder auf Turnieren anderer Länder erfahren hatte, wurde von Vorstandmitgliedern, die selbst keine Turnierteilnehmer waren zerredet und meistens als nicht umsetzbar belächelt. Jetzt ist der Wettkampf im Verband auf 2 Sätze pro Woche reduziert, aber es muss keiner glauben, dass sich nur einer der Verantwortlichen verantwortlich fühlt. Da findet man schon genug Gründe um sich heraus zu reden und sich aus der Verantwortung zu stehlen.

Im Saarland, 74 Vereine und 2000 Spieler, wäre es das einfachste auf der Welt eine Turnierserie auf die Beine zu stellen. In der Form von P4P. Dies in diesem Bericht näher zu erläutern, sprengt jetzt den Rahmen zu diesem Thema. Die Antwort auf ein solches grundlegendes Konzept kann man aber heute schon verraten.
….da macht Elversberg nicht mit ….
was im Umkehrschluss heißt – lieber machen wir keine Turniere, als dass Elversberg nicht mit macht.



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