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Klopfen, Rücken, Heben - Alles Auslegungssache

2010-05-08
von Glocker Patrick - Email:mail@handspiel.de

In der Spielordnung des STFV wird das Anschlagen, Reißen, Klopfen und Tischschieben eigentlich eindeutig geregelt. Im $11 Absatz 4 der Spielordnung ist folgendes festgehalten, was man sich mal genüsslich auf der Zunge zergehen lassen sollte.

Alle Aktionen der Spieler, wie Rücken, Klopfen gegen den Spieltisch, Anheben desselben, blasen usw., die dazu geeignet sind, den Gegner vom Ball zu trennen bzw. ihm die Ballannahme zu erschweren oder unmöglich zu machen, sind regelwidrig und ziehen Bestrafung nach sich. Hat ein Spieler den Ball im Ruhestand liegen, verliert denselben jedoch infolge des vor bezeichneten unsportlichen Verhaltens seines Gegenspielers, so erhält er den Ball zurück.

Anders gesagt heißt dieser Passus. Egal ob ich den Ball frei liegen habe, den Ball führe oder ihn gerade stoppen will, ein Anschlagen in Verbindung mit einem Ballverlust ist immer ein Foul. Denn ein Anschlagen erschwert mir immer die Ballannahme. Das liegt in der Natur der Sache. Nun ist dieser Passus in der Spielkultur des Saarlandes in den vergangenen Jahrzehnten, aus welchem Grund auch immer, gründlich vernachlässigt worden. Ist jetzt die Frage was geändert werden muss, um die saarländische Spielart der Spielordnung anzugleichen. Ändert man die Spielordnung, so musste der neue Absatz ungefähr so lauten.

Rücken, Klopfen oder Anheben ist nur dann ein Foul, wenn der Schlag oder die Beeinflussung so hart war, dass wirklich jeder erkennt, dass die Ballannahme durch den Schlag unmöglich war .

Oder die Spielweise wird so angepasst, wie es beim Spiel Gut Stubb Neunkirchen gegen Braddock Burbach von Schiedsrichter Frank Bürtin gefordert und geregelt wurde. Der Tisch in Neunkirchen ist einer der neusten Bauart, bei dem Schläge an die Bande kaum Erschütterungen verspüren lassen. Trotzdem wurde hartes Schlagen direkt vom Schiedsrichter unterbunden und damit verbundenen Ballverluste mit Foul gewertet. Dies hat und hätte bei einer konsequenten Umsetzung die Folge, dass das Spiel mehr Spielraum für technische Feinheiten frei setzen würde. Man wäre oder ist weniger damit beschäftigt, dem ohnehin schon unrunden Ball zur Kontrolle die größte Konzentration zu schenken, sondern könnte sich den spielerischen Aspekten widmen. Und wer sich etwas mit der Materie auskennt weiß, dass wir mit dieser Umsetzung, und das wird Bürtin sicher nicht gerne hören, schon verdammt nah, am ITSF-Regelwerk sind.

Einen Haken hat die Sache allerdings. Bürtin ist der einzige Schiedsrichter, der die Spielordnung so um setzt, wie sie geschrieben steht. Toni Coppola hatte als Schiedsrichter im Spiel Theley/Marpingen - Braddock Burbach den $11 Abs. 4 doch sehr viel großzügiger ausgelegt. Da durfte der Tisch bei einem frei herum fliegenden Ball doch schon mal schräg in der Luft hängen. Sicherlich könnte man jetzt berechtigt sagen, dass jeder Schiedsrichter seinen Stil hat, und wenn er diesen Stil auf beiden Seiten konsequent verfolgt, wird keine Mannschaft benachteiligt.

Aber so richtig witzig ist es für einen Spieler nicht, wenn er innerhalb von 8 Tagen eine komplett unterschiedlich ausgelegtes Regelwerk präsentiert bekommt, und sich dann innerhalb von Minuten umstellen muss. Außerdem stehen da immer noch die Zeilen der Spielordnung im Raum, die weiter oberhalb dieses Berichtes gerne noch mal zu lesen sind. Irgendwie sollten sich die Schiedsrichter, für die wir alle froh sein sollten, dass sich wieder welche zur Verfügung stellen, auf eine, möglichst satzungkomforme Spielleitung einigen. Dies müsste dann immer und immer wieder offen Kommuniziert werden und auch gemeinsam auf Turnieren so lange umgesetzt werden, bis es auch der letzte Spieler mit bekommen und verstanden hat.

Einen weiteren Vorteil hätte die satzungskomforme Spielart ebenfalls. Es werden keine Spiele mehr, durch willenloses Prügeln der Bande kaputt gemacht, was für manch einen natürlich wieder ein Nachteil sein könnte. Auf jeden Fall ist allerdings das Aggressionspotential der Zuschauer reduziert, was einen etwas ruhigeren Abend versprechen würde.



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