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Sofia zeigt wie es geht

2010-06-16
von Glocker Patrick - Email:mail@handspiel.de

Bei der Jahresplanung der Weltranglistenturniere Anfang des Jahres fiel auf, dass es relativ wenig Möglichkeiten gibt am Roberto-Sport Spielpraxis zu bekommen, um sich einiger Maßen ordentlich auf das WCS in Prag vorbereiten zu können. Eine Mail an Klaus Gottesleben brachte aber die Lösung. Er schlug ein Besuch beim Weltranglistenturnier in Sofia vor. Der Flug nach Sofia war auch im Februar sofort gebucht und mit 120€ für Hin und Rückflug ein Schnäppchen. Das die Tischfussballwelt im Saarland solche Turnierteilnahmen kalt lässt und schon gar keine Flexibilität im Spielbetrieb zu läßt, war auch schon im Vorfeld auf die Spielverlegung klar, sodass der Antrag auf Spielverlegung nur Symbolisch, aber ohne großen Erfolgsaussichten, gestellt wurde. Am Freitag-Morgen ging es dann ab Köln/Bonn mit dem Flieger in die ehemalige Ostblockrepublik Bulgarien, wo uns beide Tischfussballcracks nicht nur ein Land, sondern auch ein Verband in der Entstehung und Entwicklung nach westlichem Standard erwartete.

Was wir dann aber in den 4 Tagen vor fanden, war mehr als positiv – eigentlich schon beeindruckend. Praktiker, Mediamarkt, Deichmann, Esprit und Milka stehen maroden Strassen und Häuserblocks gegenüber in der sich eine Bevölkerung befindet, bei der das durchschnittliche Einkommen eines Arbeiters bei 366€ monatlich liegt. Eigentlich ein Land, vergleichbar wie die neuen Bundesländer 1-2 Jahre nach der Wende.

Die Taxifahrt vom Flughafen ins Hotel kostete 5,58 Leva, was umgerechnet ca 2,80€ sind. Der Taxifahrer rundete zwar schnell auf 10€ auf, aber Klaus zog ihm gleich den Zahn, sodass er sich mit 5€ zufrieden gab. Wie der Preis im Taxi, war auch im Vorfeld der Preis im 4 Sterne Hotel bei den Buchungsbörsen im Internet dehnbar. Bei einer Spanne von 180€ bis 300€ entschieden wir uns für das günstigere Angebot, und hatten so 4 Tage in einem wirklich luxuriösen Hotel für gerade mal 30€ pro Nase und Nacht.

Der Turnierort war das PartyCenter 4Km in Sofia wo 4 Grossbildleinwände Lust auf die Fussball-Weltmeisterschaft machten und wir von der Turnierleitung erwarten wurden. Die Location, das Ambiente, Equipment und Turnierablauf rief bei mir mal wieder Kopfschüttel hervor. 8 neue Tische, Turnierleitung mit Wlan, ITSF-Software, offizielle Schiedsrichter und überwiegend junge Spieler die Spaß an diesem Sport zeigten. Neue Bälle, Griffbänder und Videomittschnitte der interessanten Partien. An alles wurde gedacht bei einem Teilnehmerfeld von ca 50 Personen, was auch in etwa die montane Zahl an registrierten Mitgliedern im bulgarischen Verband ist. Auch Teilnehmer aus Rumänien und aus der 120km entfernten Stadt Plovdiv waren vor Ort.

Um wieder auf das Kopfschütteln zurück zu kommen. Ein Verband mit 50 Mitgliedern, Funktionäre die alle Ehrenamtlich arbeiten in einem Land mit einen Durchschnitteinkommen von 366€ bekommt mehr auf die Reihe, als ein Verband mit 2000 Mitgliedern, im Herzen Europas in der tiefsten westlichen Welt mit einem Jahreshaushalt von über 20.000€. Hier kommt man auf ein Turnier und könnte meinen, man wär in Bulgarien. Unsere Tische sehen aus, wie dort die Hochhäuser und unser Verband ist so flexible, wie dort ein 80Jahre alter Bauer, der in den Mountains von Plovdiv in seiner Holzhütte wohnt, und um Wasser zu haben zum Brunnen humpeln muss, was unser liebes Thema mit den tollen Bällen, die nicht austauschbar sind, nur als 1 Beispiel dick und fett unterstreicht.

Die Gespräche beim Abendessen in einem rustikalen netten Restaurant in Sofia, bei dem noch ca 1/3 der Turnierteilnehmer, dazu kamen, machten klar, dass diese Funktionäre für ihren Sport, und die Entwicklung ihres Sports leben und Ideale entwickeln. Collignon und Pappas sind ihre Sportlichen Vorbilder und der ITSF ihre Chance solche Leute zu sehen und den Verband zu entwickeln. Auch über eine Liga wurde nachgedacht, die sicher demnächst, ohne großartige Mittel umgesetzt wird.

Am Montag-Mittag zurück auf deutschem Boden, war klar, dass dieser Trip wiederholt wird. Vielleicht schon im Oktober zum Masters in Sofia. Auf jeden Fall gehört den Leuten in Bulgarien volle Unterstützung. Zu sehen, mit welcher Leidenschaft dort Tischfussball als Sport der Öffentlichkeit präsentiert wird, macht Spaß, Hoffnung und Laune. Sicher werden einige dieser Spieler in nächster Zeit in Eurosport 2 live oder in einer Aufzeichnung in 52 Ländern dieser Welt zu sehen sein. Das alles bekommt man ab dieser Woche bei Eurosport 2 unter anderem zu sehen. Einem Spitzenspieler des STFV bleibt diese Ehre wohl verwehrt.

Nur mal als Bemerkung am Rande. Der ITSF wurde 2003 gegründet. 2005 fanden im Saarland, genauer in Ottweiler, die deutsch-fransösischen Tischfussball-Tage statt. Heute läuft Tischfussball und ITSF in 52 Ländern bei Eurosport 2 live und in Farbe als Sport. Hätte man damals auf Worte und Versprechungen nur einen kleinen ersten Schritt folgen lassen, würde man diese Woche auf Eurosport Leute wie vielleicht Coppola, Kosar, Bock, Klaumann, Grün oder Rammo sehen. So sieht man Leute, die vor 5 Jahren noch gar nicht an Tischfussball gedacht haben.




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