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Länderpokal! Im Finale unterlegen

2010-06-26
von Glocker Patrick - Email:mail@handspiel.de

Zum 2.Mal in Folge war das Schlosstheater in Ottweiler Austragungsort des DTFB-Länderpokals. 10 Auswahlteams waren gemeldet, unter anderem aus Berlin, Bremen und Hamburg,und nahmen den mit unter sehr langen Weg ins Saarland auf sich. Die Heimmanschaft trat in diesem Jahr wohl mit dem besten Team an, was die 2000 Spieler zu bieten haben. Relativiert betrachtet, mit der Einschränkung, dass es an ITSF-Tischen dann doch nicht mehr eine ganz so große Auswahl an Akteuren gibt, die sich Spitzenspieler nennen wollen, und deren Künste auch auf der Bühne einer globalen Tischfussballwelt zu gebrauchen sind, ist die Auswahl im Saarland dann doch nicht mehr ganz so groß. Unterm Strich entpuppt sich der STFV nämlich aus diesem Gesichtspunkt zum kleinsten Verband der Republik.

Sportlich wurde die Saarlandauswahl dann schon zu Beginn mit der Absage aus Niedersachsen um einen ersten Höhepunkt gebracht, was grundsätzlich sehr bedauert wurde. Warum der Landesverband, der die neue Hochburg des Tischfussballs genannt wird, und quasi den Rumpf der Nationalmannschaft stellt, kein Team zum Länderpokal abstellen konnte, bleibt höchsten zu spekulieren. Eine klare verlässliche Aussage wurde der Öffentlichkeit bislang vorenthalten.

Die Gruppe 1 mit Hamburg, Bayern, Bremen, Nordrhein/Westfalen und Baden-Würtemberg war eine reine Soccer-Gruppe. Keine der Teams meldeten sich mit solchen exotischen Tischen wie Bonzini oder Tornado und so wurde es ein Single-Table Kräftemessen, was natürlich ein klassischer Soccerspieler eindeutig zu widersprechen weiß, für den es natürlich erkennbare Unterschiede zwischen Tischen wie Leonhart und TecBall zu fühlen gibt. So blieb in dieser Gruppe Bremen als 5.Platzierter auf der Strecke. Das Team zog sich jedoch mit beachtlichen Ergebnissen und einer jungen Truppe für die Zukunft eine Option auf gute Platzierungen für diesen Wettbewerb.

Die 2.Gruppe war die Multitable-Gruppe. Die Soccerteams aus Berlin und Rheinland-Pfalz hatten mit Bonzini und Tornado zu kämpfen und damit auch die meisten Probleme und erreichten Platz 3 und 4 in der Gruppenplatzierung. Im Gruppenspiel zwischen Hessen und dem Saarland knisterte es schon ganz schön und beide Teams trennten sich am Ende mit einem Unentschieden.

Im Viertelfinale war Hamburg am Bonzini gegen das Saarland, und Baden-Würtemberg am Tornado gegen Hessen mit dem fremden Tisch ebenfalls überfordert. Rheinland-Pfalz war gegen Bayern in diesem Jahr nicht optimal besetzt und Berlin schien als Gruppen-Vierter gegen die Gruppen-Ersten aus Westfalen wohl auch überfordert. Dies schien allerdings auch nur so. Zwar lagen die Berliner, die in punkto Teamspirit und mannschaftlicher Geschlossenheit fast schon weltmeisterlich auftraten, hoch zurück. Doch durch eine Zwischenspurt konnten die Hauptstädter zum 10:10 ausgleichen. Die beiden Damen-Einzel standen auf dem Programm und da machten Petra Andres am Tecball und Nicole Schünemann am Leonhart mit ihren Gegnerinnen kurzen Prozess und brachten Berlin in eine komfortable Situation und zu einem, an diesem Wochenende noch nicht da gewesenen, guten Gefühl. Eine Führung!

Diese wurde allerdings scheinbar wieder zur Last, den beide Abschlussdoppel standen, beim Zwischenstand von 4:4, auf Messers Schneide, mit viele vergebenen Chancen, ehe Dominik Baumann den Ball zum noch Fehlenden Punkt, nach vielen Versuchen, versenken konnte. Kurios, wie Berlin die Partie drehte und am Ende den Gruppensieger Nordrhein/Westfalen aus dem Turnier kegelte.

Im Halbfinale machte Hessen mit Bayern wieder kurzen Prozess. Die clevere Mischung aus dem letzten Rest der Tornadospieler und den Top Spielern am Soccer, macht es einem reinen Soccerteam schon fast unmöglich, eine solche Truppe zu schlagen, wenn man sich nicht auf einem Tornado professionell vorbereitet. Aber gerade diese Multitable-Menthalität ging seit der Umstellung der Bundesliga auf einen Einheitstisch, in unserer Republik verloren. Demnach fehlen auch den Nationalspielern die notwendige Praxis an Tornado oder Bonzini, oder auch die Notwendigkeit diese Praxis zu erlangen, was dem Erfolg nicht förderlich ist.

Im 2.Halbfinale ging es zwischen Berlin und dem Saarland in die Verlängerung, nach dem es das Saarland verpasst hatte, eine komfortable 11:5 Führung und vielen ausgelassenen, und fahrlässig vergebenen Chancen, nach Hause zu fahren. Allerdings hatte die Sache auch was Gutes. Im Saarland hatte das bewährte Verlängerungssystem des ITSF sozusagen Saarland-Premiere, was unter den Zuschauern wirklich eine prickelnde Stimmung verbreitete und einen Hauch von Worldcup verspüren ließ. Schade, dass die schlauen ITSF-Skeptiker aus dem Saarspitzensport nicht anwesend waren, die ständig behaupten, die ITSF-Spielweise wäre Emotionslos. Hier hätten sie eine Kostprobe bekommen können. Das Entscheidungsdoppel konnte Klaus Bock und Toni Coppola für sich und Ihr Team aus dem Saarland entscheiden, was das Finale für den 43 Jahre alten Verband bedeutete.

Im Spiel um Platz 3 war Berlin wieder erst nach der Verlängerung den Bayern unterlegen und belegte zwar den undankbaren 4.Platz, schien aber sozusagen der Meister der Herzen an diesem Wochenende.

Das Finale ist letztendlich auch schnell erzählt. Das Saarland war am Tornado einfach deutlich schlechter als Hessen am Bonzini. Einzig als Sascha Handloser sein Einzel sehr unglücklich am Tornado verlor, keimte etwas Hoffnung für das Saarland auf. Katrin Matsushita machte dann aber mit ihrem Punkt gegen Sonja Breuer am Bonzini für Hessen alles klar. Glückwunsch an das Team aus Hessen für die erfolgreiche Titelverteidigung. Als Fazit bleibt. Deutschland ist leider keine Multitable-Nation mehr und der Länderpokal dient höchstens noch dazu, dies wieder deutlich zu machen. Und es gilt als Grundsatz für die Teilnahme an einem Mutitable-Turnier. Es reicht nicht nur an seinem Heim Tisch top zu sein, wenn man ein solches Turnier gewinnen will. Jedes Doppel oder Einzel muß an einem fremden Tisch Mittel besitzen, mit denen es den Gegner unter Druck setzen kann. Sich im Vorfeld auf die Auswärtsstärke vereinzelter Spieler zu verlassen, wird spätestens beim Vergleich Best of Three zum absoluten Verhängnis.



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