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Hoenheim bestätigt die Prognose

2011-03-08
von Glocker Patrick - Email:mail@handspiel.de

Am Faschingssamstag fand in Hoenheim, ein Vorort von Strassburg ein Weltranglistenturnier der Kategorie Pro, am Bonzini, statt. Trotz Fasching fanden 25 Spieler den Weg in den Elsass. Das erste Bonziniturnier nach Einführung dieses Tisches beim STFV. Die Behauptung, dass Spieler des STFV in Zukunft diesen Tisch mit dominieren werden, stand mit im Raum. Sicher kann man die Ergebnisse dieses Turniers drehen und wenden wie man will und wie man es braucht. Im Offenen Doppel stand kein saarländisches Team im Achtelfinale. Betrachtet man die Ergebnisse aber etwas detaillierter, so stehen unter dem Strich Achtungserfolge, die den Weg beschreiben, den der STFV nehmen wird, wenn die Bonzini-Geschichte angenommen und eingebürgert wird. So kam es in der Quali Runde zur Partie Thiry/Gabriel gegen Allalou/Correia.

Allalou als Multitablespieler vielleicht der 2.Beste Spieler der Welt. Correia Weltmeister 2009 im Einzel. Die beiden Saarländer entschieden diesen einen Satz bis 7 Tore für sich. 1 Satz bis 7 , kann passieren. Aber 2 Weltmeister im Bowling verlieren nicht gegen 2 Saarlandmeister im Kegeln. Ach nicht nur einen Satz.

In der 2.Ko Runde trafen Glocker/Grün auf Dos Santos/Dos Santos. Im Januar noch Hauptdarsteller der ersten Tischfussball-Liveübertragung in Nantes. Nun Gegner zweier Saarländer. In dieser 4-Satzpartie war Frank Grün bester Mann am Brett, und hätte sein Doppelpartner nur 50% seiner Normalform erreicht, wäre es ein glatter 3:0 Erfolg geworden. 4:5, 4:5, 5:2 und 3.5 hieß es am Ende. Machte im ersten Satz noch ein kurioses Tor nach defektem Griff den Unterschied, konnte Grün seinen Gegner danach auf der 3er Reihe ausschalten. Miquel Dos Santos musste immer öfter seinem Vater auf der Sturmreihe den Vortritt lassen, der dann wieder häufiger treffen konnte. Die dominate Mittelreihe machte letztendlich den Unterschied. Glocker hatte kein Mittel parat und lies sich dadurch auch Offensiv beeindrucken. Grün schien unbeeindruckt und konnte im 3 Satz 3 Tore von hinten setzen. Wie schon erwähnt. Es reichte am Ende zu nicht mehr als einem Achtungserfolg.

Helmut Balzer und Stefan Strässer konnte dann doch den ersten Coup landen. Olivier Covos und Paul Nunez, Nummer 8 und 12 der Rangliste in Frankreich und Nr. 12 und 20 der Weltrangliste lernten zum ersten Mal Spieler des STFV kennen, die am Bonzini ihre Ligaspiele bestreiten. Nach 5 Sätzen war Endstation für das gesetzte Favoritendoppel.

Sicher steht der STFV vor einem Neuanfang. Was Turniere und Tische an geht. Es ist noch ein großer Unterschied auf einem Turnier ein Spiel zu gewinnen, oder das ganze Turnier. Aber der STFV und vor allem die Spieler des STFV müssen sich wieder entwickeln. Wieder und weiter entwickeln. Im Saarland bedeutete die letzten 5-10 Jahre Tischfussball Stillstand bzw. Rückschritt. Die angekündigte Turnierserie wird wieder die Turnierform der Saarländer steigern. Die hohe Leistungsdichte wird gegenseitig Höchstleistungen fordern. Eine entscheidende Entwicklung wurde im Saarland in der Vergangenheit verpasst. Das Spiel auf der Mittelreihe. Es hört sich vielleicht übertrieben an. Aber auf dieser Position hat den STFV die ganze Welt überholt. Das Spiel mit dem Ball aus der Bewegung hat die versierten Spieler zum notwendigen Training ermutigt. Im Saarland hat die Bequemlichkeit mit dem Pass aus dem Stand die Entwicklung gestoppt. Hier gilt es nach zu legen. Im Regelwerk, beim Abwehrverhalten und bei den Trainingsmethoden. Saarländische Spieler müssen lernen, ihren Gegner ohne festes Anschlagen, sondern mit Strategie und Instinkt, auf der Mitte zu stoppen. Anderseits müssen Pässe aus dem Lauf, mit runden Bällen in Perfektion zur 3er gespielt werden können.

Diese Entwicklung wird ihren Weg von selbst gehen, sobald auf Turnieren auch das ITSF-Regelwerk gespielt wird. Allerdings hat dieses Regelwerk ein ganz gravierendes Defizit. Der Beginn auf der Mitte. Auch der Weltverband sollte sich ernsthaft mit dieser Frage auseinander setzen. Spielen wir Doppel oder heißt Doppel bei ITSF Einzel mit einem anderen Torwart. Das Regelwerk des STFV ist sicher nicht in vielen Passagen Zeitgemäß. Aber der Beginn nach einem Tor beim Hintermann fordert in einem starken Doppel auch 2 starke Partner. Das es bei ITSF anders ist, zeigte das Halbfinale der WM. Jeder weiß, was damit gemeint ist. Bei ITSF reicht nach einem Gegentor nur das überwinden von einer Reihe, um den Ball wieder einschussbereit liegen zu haben. Bei der Entwicklung der Mittelreihen scheint dies nicht sehr sinnvoll. Defensivspieler werden nie die Bedeutung bekommen, die sie eigentlich haben müssten. Bei ITSF reicht es als Hintermann defensiv stark zu sein, und unfallfrei heraus schiessen zu können. Dieser Anspruch war zu Paradezeiten im Saarland an einen Hintermann anders. Doppel bedeutet im Saarland, dass beide Spieler Spitze sein müssen, um Erfolg zu haben.

Viele Saarländer werden jetzt zustimmend vor dem Monitor sitzen. Allein dieser Zustand hindert den STFV aber nicht das ITSF-Regelwerk einzuführen. Man führt dieses Regelwerk ein, mit der Ausnahme der Anstoss-Regel. Hier bleibt man einfach dem STFV-Modus treu. Auf Turnieren sollte man dies wirklich ernsthaft in Erwägung ziehen. Denn die Turnierserie im Saarland am Bonzini wird auch ausländische Spieler ins Saarland locken. Sie muss sogar solche Spieler ins Saarland locken. Die Einschränkung mit dem Anstoss, wäre noch leicht vermittelbar. Diese Spieler aber mit dem STFV-Regelwerk zu konfrontieren, wäre nicht nur ein Zeitschritt in die 90er Jahre, es wäre auch peinlich.



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