Berichte
Interviews
Impressum
Login
Sprünge ! - kein Hüpfen !

2012-02-04
von Glocker Patrick - Email:mail@handspiel.de

Am letzten Januar Wochenende 2012 fand die Generalversammlung des STFV in Illingen statt. Am Ende blieb gefühlt der Eindruck, dass alle Anträge des STFV-Vorstand abgelehnt wurden. Alle Versuche, dass STFV-Regelwerk, besser gesagt den §11 der SPO, der allein nämlich die Tischfussballregeln im Saarland beschreibt, dem ITSF Regelwerk anzunähern, wurden abgeschmettert. Für moralischen Irritationen sorgen dabei Vertreter des TFC Braddock Burbach, die sich gegen die Abschaffung des Standpasses unter den momentanen saarländischen Spielbedingungen aussprachen. Sicher wird es nicht einfacher mit Kicker-Eiern und Gegnern, die beim Anschlagen die Puffer zum zerbröseln bringen, einen Ball aus der Bewegung zu Passen, aber genau da lag die Hoffnung dieser Regeländerung, diverses Spielverhalten zu reformieren. Nichts desto trotz blieb sogar die banale Anpassung, nach dem Fertig den Ball noch einmal abzuspielen, was selbst im Saarland seinen absoluten Sinn hätte, auf der Strecke.

So gewinnt man die Erkenntnis, dass die Generalversammlung dem Ruf der Wundertüte treu bleibt und die Hürden für Reformen weiter hoch hält, was die sensationelle Zulassung des Bonzini 2011 noch höher ansiedeln lässt.

Die Bedingungen für den STFV, was das nationale und internationale Auftreten betrifft, bleiben aber immer noch unverändert. Wenn der größte Verband der Welt Spieler fördern und fordern will, die Ihre Wurzeln überregional vertreten sollen, braucht man weiter einen Tischpartner, der ein Minimum an Quantität und Qualität liefern kann, und das ITSF Regelwerk. Der Tisch wurde selbst einiger Ankündigungen nicht abgewählt. Das ist, auch wenn es noch gar nicht richtig erwähnt wurde, gar nicht hoch genug zu bewerten. Dies Betrifft hauptsächlich die Mannschaften, die sich im Kampf um die Meisterschaft mit dem Bonzini messen müssen. Heusweiler, Gut Stubb und vielleicht Wiebelskirchen. Respekt vor diesen Vereinen, denen die Lage des STFV scheinbar bewusster ist, als nach außen kommuniziert.

Um zur GV zurück zu kommen, lernen wir, dass Kreisliga Mannschaften darüber entscheiden, mit welchem Regelwerk die Spitzenspieler ihren Sport auszuüben haben. Anderseits würden Kreisliga Teams natürlich behaupten, dass sie sich nicht von Landesligisten vorschreiben lassen müssen, wie diese Ihre Spielweise zu halten haben. Ein hin und her, dass das deutlich erkennbare Bestreben des STFV Vorstands in Richtung ITSF zu wandern, extreme Schwierigkeiten bereitet. Bei dieser Form von Regelfindung über die GV ist der STFV in 20 Jahren noch nicht beim ITSF angekommen, und bis das ITSF Regelwerk in der Kreisliga gespielt wird, sind wir alle Tot.

Es wird in diesem Verband zu wenig kommuniziert. Forum, Gästebuch und Website sind leer, was die GV an geht. Im Vorfeld und auch danach. Man liest absolut gar nichts, was auf Vorstandssitzungen beschlossen, geplant, verworfen wurde. Nichts, Null, Zero. Regeländerungen sind Change-Prozesse, bei denen man die Betroffen, deren Zustimmung man benötigt, mit nehmen muss. Man muss sie zu Aussprachen und Diskussionen einladen. Notwendigkeiten erläutern und argumentieren. Für Nachteile Verständnis gewinnen und Vorteile erörtern. Am Sonntag Mittag 150 Mitglieder mit Regeländerungen zu überraschen und dafür noch Verständnis gewinnen wollen, ist sehr optimistisch Gedacht. Am Ende entscheiden die Mitglieder über Missverständnisse, weil sie keine Zeit haben, sich Regeländerungen vorbereiten zu können. Und bevor sie für etwas ihre Zustimmung erteilen, von dem sie vor 10 Minuten zum ersten Mal was gehört haben, stimmen sie natürlich dagegen. Absolut Menschlich.!

Wenn man an der Kommunikation in Zukunft was verbessert, dauert die Tropfen für Tropfen Strategie immer noch 20 Jahre. Und sonderlich viel bringt es unterm Strich sowieso nichts. Im Mai in Paris werden voraussichtlich neue Rekordzahlen von saarländischen Vertreter bei diesem tollen Turnier erreicht. Aber allein das Regelwerk lässt die Saarländer gefühlt pro Satz 0:2 zurück liegen.
Wie will man Pässe ohne Anschlagen abwehren, wenn ich das Jahr über die Bande traktieren darf.
Wie will ich einen Jet abwehren, wenn dieser Schuss in der Liga nicht angewandt werden darf.
Wie will ich einen Pass in 10 Sekunden auf der Mitte aus dem Lauf vorbereiten, wenn ich in der Liga dafür 20 Sekunden Zeit habe.
Wieviel Bälle werden verloren gehen, weil beim Fertig vergessen wird, die Figur zu wechseln.

Es gibt unzählige einfache „Fallen“ in die man tappt, ohne das Regelwerk regelmässig an zu wenden. Und so wird es in Paris gehen, so wird es in Hoenheim gehen, bei der Bundesliga, bei der 2.Liga, beim Länderpokal und bei den DTFB Challenger Turnieren.

Besser jetzt einen großen Sprung vorbereiten, als Jahrelang vor und zurück hüpfen. Die Saarlandliga, wie sie ursprünglich geplant war, ist die Lösung. Eine Liga mit neuwertigen Tischen, angepasstem ITSF Regelwerk und zertifizierten Schiedsrichtern als erste Ebene unter der Bundesliga, ist ein erster Ansatz den man uneingeschränkt, ohne Kompromisse an gehen muss. Quasi eine Trennung von Spitzensport und Breitensport. Jeder Verein kann sich selbst für die Qualität und den Anspruch seines Hobby entscheiden. Bin ich Spitzenspieler, oder Spitzenverein, oder ist es ein 2 Stunden-pro-Woche-Hobby. Mit einer solchen Trennung wird der Status von Tischfussball im Saarland klar definiert. Spielt man Tischfussball auf der Basis von Weltklasse Niveau, wie es der Anspruch des STFV sein muss, oder orientieren wir uns am Saarlandniveau der 1990er oder Anfang 2000er, als es anstatt einem Ranglistenturnier, wie 2012, noch 10 Ranglistenturnier im Saarland gab.

Ein Chinesischen Sprichwort sagt: Eine Schlucht überwindet man mit einem Sprung.



Dieser Artikel wurde 1711 mal gelesen