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Josef Cornelius

2008-01-05
von Glocker Patrick

foto/JosefCornelius.jpg


Josef Cornelius ist einer der wenigen Saarländer, die die Herausforderung des internationalen Tischfussballs gerne annehmen. Außerdem ist er Vorstandsmitglied des STFV und des DTFB


Handspiel: Wie alt bist Du? <

Josef Cornelius: 53

Handspiel: Seit wann spielst Du Tischfussball ?

Josef Cornelius: 1971

Handspiel: In Welchen Vereinen hast Du bereits gespielt ?

Josef Cornelius: TFC Ottweiler1971-73 und 1976-83, TFC Schiffweiler1974, TFC Lautenbach 1984/85, Ottweiler Tischfußball-Club 1974-76 und 1986 bis heute

Handspiel: Wo und wie bist Du zum Tischfussball gekommen ?

Josef Cornelius: Im Alter von 13 bereits haben wir über einer Kneipe mit Tischfußballspiel gewohnt, wo ich ab und zu mal ein bisschen gekickert hatte. Von1969 bis 1985 hatten dann meine Eltern selbst ein Lokal, in dem 1974 auch der OTC gegründet wurde.

Handspiel: Hast du außer deinem aktuellen Verein einen Lieblingsverein ?

Josef Cornelius: Nein

Handspiel: Hast du ein sportliches Vorbild? a) aus der Öffentlichkeit b) aus dem Tischfussball?

Josef Cornelius: Nein

Handspiel: Mit wem würdest du gerne mal die Landesmeisterschaft spielen ?

Josef Cornelius:Wenn überhaupt, gerne wieder mit meinem Bruder Claus.

Handspiel:Hast du einen Angstgegner ?

Josef Cornelius: Nein

Handspiel: Na dann wenigstens einen Lieblingsgegner ?

Josef Cornelius: Na ja, gegen einen gewissen Patrick Glocker habe ich immer sehr gerne gespielt ;-), es waren immer enge, spannende, faire Matches auf einem hohen Niveau. Hat mir immer Spaß gemacht - ehrlich! (Handspiel: Kann mich erinnern, dass Du mir mal in der Saison 2002 im Heimspiel 4 Punkte abgeholt hast und sich dein Partner Harald Dupont dann ein T-Shirt mit dem Aufdruck GLOCKER-BEZWINGER anfertigen lies – Eine große Ehre für mich :-) - Wem passiert das schon !)

Handspiel:Welche sportlichen Ziele hast du persönlich, und mit deinem Verein ?

Josef Cornelius: Als nächstes steht die Weltmeisterschaft in Nantes an. Im vergangen Jahr war ich zusammen mit Peter Müller im Doppel ITSF-Vizeweltmeister bei den Senioren. Da ist noch EIN Platz Luft! Das wollen wir nochmal angehen. Im OTC sind wir m. E. für die kommende Landesligasaison sehr gut gerüstet. Da sollte ein Platz im oberen Tabellendrittel drin sein.

Handspiel:Wer wird 2009 in der Landesliga Meister? Bitte auf ein Team festlegen (soll ja kein Spaß machen)!

Josef Cornelius: Wenn das so ist, dann natürlich der OTC

Handspiel:Welche Rolle spielt und sollte das Saarland auf Nationaler Ebene spielen?

Josef Cornelius: Ich finde, der STFV hat es verdient, eine größere Rolle auf nationaler Ebene zu spielen, als er z. Zt. einnimmt! Für die Zukunft halte ich für wichtig, dass sich die saarländischen Bundesligaclubs ihrer Verantwortung bewusst werden und im Sinne unseres Sportes sich darum bemühen, weiterhin in der Bundesliga zu spielen. Sicher ist es nicht für alle einfach, die entsprechenden Spieler dazu zu motivieren, aber das Terrain, das jetzt aufgegeben wird, kann der STFV ,und vor Allem die betreffenden Clubs nie wieder zurückholen! Die saarl. Topvereine wie Burbach, TheMa, Heusweiler und Roden sind hier gefordert, Strategien zu entwickeln, wie sie die kommende Bundesligasaison erfolgreich gestalten können, Der Vorstand hat hier mit dem separaten Soccerliga-Pass ein Instrument geschaffen, das m. E. von den Clubs noch zu wenig wahrgenommen und genutzt wird.

Handspiel: Du bist also der Meinung es reicht aus was der Vorstand in Sachen Soccer und Bundesliga unternimmt

Josef Cornelius: Es ist nie genug getan, aber es ist aus Sicht des STFV-Vorstandes sehr schwer sowohl die Interessen der Mehrheit der saarl. Spieler als auch der Förderung des Spitzensportes auf Vereinsebene gerecht zu werden. Deshalb sehe ich hier auch die Topteams in der Pflicht! Unter dem Motto: frage nicht nur was Dein "Sport" für Dich tut... (Anmerkung Redaktion: ein sehr sehr guter Satz)

Handspiel:Wenn du heute alle Mittel hättest, beim STFV Sachen verbessern zu können, was würdest du in Angriff nehmen und wie?

Josef Cornelius: Erste Priorität hat ein Landesleistungszentrum mit allen ITSF- UND mehreren Hansberg- Tischen, in dem der STFV dem Nachwuchs und allen Interessierten den nationalen und internationalen Tischfußball-SPORT auf vielfältige Art näher bringen kann und muss. Außerdem könnte man dort auch passende Events wie Turniere, Trainingseinheiten für das STFV-Länderteam, u.v.m. veranstalten. Wenn wir das entsprechende Geld dafür hätten, würde ich gerne einen vernünftigen, sauber verarbeiteten, bezahlbaren, vorzeigbaren Tisch mit Teleskopstangen, Metallspielern, also Hansberg-ähnlichem Spielverhalten, entwickeln und im Stile der großen Hersteller mal für ´ne Landesmeisterschaft 25 Stück bauen und die dann im Folgenden verkaufen.

Handspiel: Die Spielervereinigung P4P mit 300 Mitgliedern hat es geschafft einen eigenen Tisch zu konstruieren - Und der STFV mit 2500 soll damit ein Problem haben?

Josef Cornelius:Wenn es tatsächlich gewollt wäre, ist es sicher kein Problem, einen entsprechenden Tisch zu entwickeln, der noch dazu sicher preiswerter wäre als der derzeit einzig Zugelassene! Aber es gibt ihn ja bereits: der BONZINI Turniertisch von heute mit so genannten Regenschirm-griffen  und mit den - offenbar ja unvermeidlichen - Kickerbällen ausgestattet kommt meinen Vorstellungen ja schon sehr nahe. Man stelle sich vor: Freitag ist Ligaspieltag und jeder bringt seine eigenen Griffe mit - Hammer! Oder?  Obwohl: es würde nix kosten auch andere als den Hansberg/Paulus-Tisch einfach mal zuzulassen und zu sehen was passiert. Das wäre ja kein MUSS für die Clubs auf diese Tische umzusteigen. Aber der klassische STFV-Spieler ist allem Neuen gegenüber zunächst mal sehr skeptisch wenn nicht sogar feindlich eingestellt.

Handspiel: Findest du es gut, dass es fast keine Ranglisteturniere mehr gibt und was könnte der Grund dafür sein.

Josef Cornelius: Nein! Obwohl ich ich nie DER Turnierspieler war. Dennoch müssen wir dafür sorgen, dass die Rangliste wieder ziel führend gestaltet wird. Es sind auch hier schon einige Dinge für das kommende Jahr angedacht, die dann auch auf der Mitgliederversammlung vorgestellt werden. Die Gründe für den Rückgang der Ranglistenturniere sind vielfältig: 1. als die Nachfrage nach solchen Turnieren noch hoch war, musste der STFV für das Prädikat "Ranglistenturnier"entsprechende Ansprüche formulieren, die heute bei den weitaus geringeren Teilnehmerzahlen sicher neu zu überdenken sind, was wir im Vorstand derzeit auch tun. 2. Durch die geringeren Teilnehmerzahlen und die Kosten für die entsprechenden Hallen wird von den Vereinen bei den Turnieren z. Zt. nix verdient. Zumindest nicht, wenn die Veranstalter nicht andere Einnahmequellen über die Startgelder und den Gewinn aus der Gastronomie hinaus requirieren können. 3. Die Spieler wollen offenbar die früher üblichen langen Wartezeiten nicht mehr in Kauf nehmen und bevorzugen kleinere kompakte Turniere mit nur einer Disziplin.

Handspiel: Mußte man damit bis heute warten ? Im Handspiel gab es 1999, also vor knapp 10 Jahren einen Bericht, der diese Entwicklung beschrieb. Warum wurde noch nicht früher gehandelt? 

Josef Cornelius:Gute Frage! Warum hast Du die Handspiel-Turnierserie nach so kurzer Zeit eingestellt? Sie war eine gute Ergänzung auf der man hätte aufbauen können.

Handspiel: Ich stelle hier die Fragen :-D. Aber weil ich das oft gefragt werde mache ich ne Ausnahme und antworte. Die Masterserie war sehr eng an das Magazin Handspiel gekoppelt. Nur zur Erinnerung, Handspiel war ein Tischfussballmagazin, dass von 1999 bis 2002 von mir und in Mitarbeit von Stefan Trampert gesetzt und finanziert wurde. Anfangs wurde das Handspiel kostenlos verteilt, danach für 1 Euro verkauft. Die Turniere der Masterserie haben viel Spaß gemacht und damals Kontakte, Freundschaften und vor allem Tischfussballtalente gefördert, die es anders nie gegeben hätte. Die Turniere brachten den Wirten Umsatz ein. Diese schalteten im Handspiel dafür eine Werbung mit der wiederum das Handspiel finanziert wurde. Irgendwann machte es die Runde, dass Glocker für die Turniere Geld bekommt, das Geld was die Werbung kostete, und man dies nicht mehr Unterstützen wolle. Das ich für Ausgabe zwischen 2000€ und 2300€ hinlegte, wurde in diesem Zusammenhang dann aber nicht erzählt. Außerdem war das einzige regelmäßig erscheinende Tischfussballmagazin den Tischfussballfreunden nicht mal ein Euro wert, sodass sich in einem Extremfall ein Verein 1 Magazin kaufte und es rum gehen ließ. Und da ich damals eh gerade so verrückt war ein Studium anzugehen, bot es sich an, alles sein zu lassen. Auch der STFV hatte damals kein Abo, geschweige denn mal ne kleine Werbung geschaltet. P4P dagegen hatte immer 150 Stück geordert, obwohl von denen viel viel weniger berichtet wurde.

Handspiel:Es ist nachgewiesen, dass die Ölvorräte auf dieser Erde nur noch ca 50 Jahre ausreichen. Welche politische Entscheidung wäre für Dich die richtige, wenn Du Oberhaupt von Deutschland wärst und es zu entscheiden hättest a) private Haushalten zu einen Umstieg auf alternative Energien, wie Wind- und Sonnenenergie bzw. Biomassebrennstoffe bewegen auch wenn dies neue und zusätzliche Kosten verursachen. b) Gar nix tun, das vorhandene Öl verbrauchen und dem Volk keine weiteren Kosten aufheizen. Sollen sich die Generationen die dann leben Gedanken machen

Josef Cornelius: Natürlich wäre a) die richtige Entscheidung. Allerdings glaube ich nicht, dass dies ausreichen würde. Wenn man nicht auch die Industrie, und hier vor allem die der U.S.A. und der so genannten Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien, Argentinien u.s.w. dazu bringen kann, ihre schädlichen Emissionen (und nicht nur CO2) zu reduzieren, wird sich der Klimakollaps nicht vermeiden lassen! Da sind die schwindenden Ölvorräte das geringere Problem.

Handspiel:Bei welcher Entscheidung hättest du aus dem Volk mehr Widerstand? Also welche ist die unpopulärere Antwort? a oder b ?

Josef Cornelius: Keine Ahnung!

Handspiel: jetzt aber ?

Josef Cornelius: Na ja: gute Rhetoriker haben schon viel bewegt! Sie können Volkes Meinung durchaus so steuern, dass die "richtige " Antwort auch die "populäre" ist. 

Handspiel: Der Tischfussball-Weltverband ITSF ist zur Zeit in ein Aufnahmeverfahren beim Internationalen Olympischen Komitee involviert. Würdest du es begrüßen, wenn es 2028 einen Tischfussball-Olympiasieger geben würde?

Josef Cornelius: Frag´mich das 2028 nochmal, dann bin ich 73! Aber wenn es einen geben sollte, werde ich life dabei sein, das ist sicher!

Handspiel:Nach der derzeitigen Entwicklung im Saarland ist die Chance bei dieser Olympiade einen Tischfussballer aus dem Saarland zu sehen eher gering obwohl der STFV vielleicht der größte Landesverband der Welt ist. Angenommen 2028 kommt ein junger Spieler zu Dir und fragt Dich, was man hätte 2008 tun müssen, dass ein Saarländer 2028 zum mindest die Chance gehabt hätte, bei Olympia für Deutschland zu starten.

Josef Cornelius: Mit Verlaub: das sehe ich anders! Natürlich ist es sehr schwer die saarländischen Spieler von heute an den Soccertisch zu bringen, aber wer weiß denn, ob sich bis dahin nicht der -im Übrigen meines Wissens weltweit meistverkaufte Tisch- BONZINI überall durchgesetzt haben wird? Und dann sieht alles wieder ganz anders aus. Womöglich geht aber auch die Entwicklung in eine völlig andere Richtung. Außerdem werden dann Spieler am Start sein, die heute nicht einmal geboren sind. Du weißt selbst: was heute noch das "non plus ultra" ist, kann morgen schon zum alten Eisen gehören.

Handspiel:Auch beim Bonzini oder einem ganz anderen neuen Tisch hätten andere Verbände nach dem jetzigen Stand sicher die Nase vorne - ist es nur eine böse Unterstellung, oder denken Mitglieder und Vorstand mehr an die eigenen Interessen, als an zukunftsorientierten Lösungen?

Josef Cornelius: Das ist tatsächlich eine böse Unterstellung! Ich kenne kein Vorstandsmitglied, das nicht im Interesse des STFV und seiner Mitglieder das Beste für den Tischfußballsport im Saarland will. Dass die Meinungen darüber, was das Beste ist, oft auseinander gehen, liegt in der Natur der Sache.  Wenn andere Verbände etwas weiter sind, kommt das wohl auch daher, dass die Meisten sehr viel kleiner, jünger und dadurch auch flexibler sind als die "alte Dame" STFV. Es ist ein Unterschied, ob ich einem neu gegründeten Verband mit ca 60 Spielern den Tisch vorschreibe, auf dem dann noch dazu ja zur zwei Mal im Jahr bei den so genannten Verbandsspieltagen gespielt werden muss, oder aber einem Verband mit mehr als 2.000 aktiven Spielern (die beinahe an jedem Wochenende im Jahr ihrem Hobby frönen) und mit einer über Vierzigjährigen Geschichte entscheidende Veränderungen aufdrücken will.  Hinzu kommt, dass in den jungen Verbänden sowohl die Funktionäre als auch die Spieler jung sind und die wiederum junge Freunde für ihren Sport gewinnen. Im STFV sind die "Nachwuchsspieler" um die dreißig! Hier müssen wir ansetzen und junge Menschen zum Tischfußballsport bringen. Aber auch hier sind die Vereine gefordert, für ihren Nachwuchs selbst zu sorgen. Zum Beispiel mit Patenschaften und Tischen für Jugendzentren oder Ähnlichem.

Handspiel: Vielen Dank an Josef Cornelius für die interessanten Antworten, die selbst mich teilweise ins Grübeln bringen. Gruß Patrick Glocker


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